Weihnachtsbraten: Fleisch ohne Beilage

Veröffentlicht in karikaturesk mit Tags , , , , , am Dezember 16, 2009 von blogorilla

Kolumnös – der andere Jahresrückblick, Teil I: Tschakko und der Tiger

Veröffentlicht in kolumnös mit Tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , am Dezember 15, 2009 von blogorilla

Im Jänner war’s, da aß er noch Salat, der Michael. Jackson ist in den Vereinigten Staaten von Amerika ein grundgewöhnlicher Name. Wie Johnson, Miller oder Woods. Tiger fuhr Ende November mit seinem Auto gegen einen Baum. Die Nachricht verbreitete sich schneller als der Wind. Seine schwedische Frau hatte ihn, munkelten so manche Medien, mit dem Golfschläger ins Gesicht geschlagen, bevor er, noch in der Ausfahrt seiner Pimpervilla (Pardon, vielmals), die Kontrolle seines Karrens verlor.

Wenn das war ist, ist es meiner grundsätzlichen Meinung des Guten wahrhaftig zu viel. Denn der gemeine Golfschläger ist des Tigers heiliges Spielgerät. Scheinbar, so berichteten Medien, hat der erfolgreichste Golfer zwischen Malibu und Jericho mit seinem Schwung bis zum heutigen Tag eine Milliarde Dollar verdient. Kein Sportsmann – von einer sportlichen Frau ganz zu schweigen – sackte mehr ein. Zur Feier der neunten Null hinterm Komma dachte sich der Kater wohl: „Flatrate nudeln oh la la, das Leben ist zum Schludern da“, oder so ähnlich. Treu war zumindest spätestens dann von gestern – ob nun im Mai oder März oder Winter 2007 das erste Weibs-Öhr seinen Faden fand, (Achtung: Schreibfederschweinesperrgebiet!) ergibt sich freigeistig gerne der hochwohlgeborenen Gewichtigkeit einer grundehrlichen Marginalie. Wie bitte? Das ist alles, aber kein Deutsch! Eine Zumutung ist das.

Zurück zum Tiger. Dieser fauchte also mächtig durch die Gegend und lutschte sich dermaßen einen ab (munkeln die Medien, die bösen Medien!), dass sich sämtliche vernachlässigte Damen ohne Verkehrsanbindung (in den vergangenen siebzehn Monaten) kürzlich zu einer Trauerfeier in einer amerikanischen Mehrzweckhalle trafen. Nicht, dass es viele waren, auf der Resterampe. Wie auch immer: Es verging im Dezember kaum ein Tag ohne Wasserstandsmeldung. Eine Blonde hier, ein Model dort. Alle Beglückten erzählten von ihrem Glück und das Ende vom Lied geht so: Tiger legt den Stock weg und macht Pause – vom Golfsport. Bei seiner Frau hat er sich entschuldigt, nun steht nur noch die Familie auf dem Dienstplan. Ab sofort ist Schluss mit lustig.

Auch bei Michael? Höchst unseriöse Zungen behaupten ja, dass der wahre King of POP weiterhin lebt! Demnach hat der personifizierte Moonwalk höchst unauffällig die Optik gewechselt und läuft nun, nach der Inszenierung (!) seiner Abfahrt, als La Toya durch die Gegend! Diese ist an seiner Stelle den Radieschen erlegen und füttert nun die Spatzen auf dem Highway to Hell. Das führt nun aber wirklich zu meilenweit meinen Sie? Ich kann nichts dafür, das kommt alles von den Medien.

Wer kennt wen oder: Einklappen verboten!

Tod dem Weihnachtsmann, es lebe der Niklaus!

Veröffentlicht in kolumnös mit Tags , , , , , , , , , , , , , , , , , am Dezember 5, 2009 von blogorilla

Kolumnös, kolumnös: Ein bayrischer Erzbischof hat nun höchst sachlich dazu aufgerufen, den Weihnachtsmann in seinem verfilzten, rot-weißen Zeckenoutfit zu ignorieren – oder besser isolieren, auszuschließen, sternlos an den Rand der Gesellschaft zu schieben mit den Worten: Ende, aus, Nikolaus! Der ist es nämlich, den man ehren sollte. Der ist es, der zu Essen gab, getröstet hat, gar Kinder liebte mehr als Rinder (Inder allemal) und noch wichtiger: Auch wirklich gelebt hat.

Anders als der Weihnachtsmann. Der ist der Konsumwelt entsprungen und zielt einzig auf den Geldbüttel der unschuldigen Spießbürgerschaft ab, sagt der, ebenfalls bärtige, Gebetsvorsteher. Also auf das Portemonnaie derer, die sonst immer so brav, einmal im Jahr, das Kirchenparkett aufsuchen – vor lauter Menschlichkeit und Nächstenliebe. In Wahrheit kommt das gerötete Bartvieh mit Pelzmütze aber gar nicht aus der Cola-Pulle. In Wirklichkeit erfand unser aller Hymnenvater August Heinrich Hoffmann von Fallersleben den Alten. Und zwar 1835. Zu diesem Zeitpunkt gab’s weder Brause aus Bechern, noch Karies trotz Zahnpastatuben. Und fürs Gotteshaus waren Dauerkarten für die ersten Plätze damals noch restlos ausverkauft. Die Dichtung ging so:

Morgen kommt der Weihnachtsmann / Kommt mit seinen Gaben /  Trommel, Pfeife und Gewehr, / Fahn und Säbel und noch mehr, /  Ja ein ganzes Kriegesheer, /  Möcht’ ich gerne haben. …

Wer sich nun, infolge dieser Zeilen, kaum mehr auf dem Stuhl halten kann vor lauter Action und Gewalt und Krieg den Palästen, der ist hier falsch. Richtig ist, dass selbst die Kirche nicht mehr das ist, was sie einmal war. Früher hätte man nicht lange um den heißen Brei herumgewabert und den abgewrackten Christkindgehilfen einfach auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Nach dem Motto: besser Tod als rot. Oder wenigstens dem Schwerte der Inquisition zum Fraß vorgeworfen, um anschließend, zweihundert Jahre später, den heiligen Olivenzweig zur seligen Wiedergutmachung an eine ostsächsische Pforte zu tackern. Ganz nach dem Motto: protestantisch und vielleicht sogar konsumgeil – aber menschlich.

Was auch immer: Gustl von Faller wäre heute 211, Joppe Heesters wurde 2009 n. Chr. übrigens 206. Wir gratulieren und huldigen dem senkrechten Josef –

Protestprogramm: Spitzenspritzen für alle

Ein möglicher Tagesrückblick und die Frage warum

Veröffentlicht in die schwarze piste mit Tags , , , , , , , , am Dezember 1, 2009 von blogorilla

Heute wieder erfolgreich Zeit beseitigt. Morgens im Halbschlaf eine halbe Stunde mit Bullshit-Bingo verbracht. Mittags cleveren Senior beobachtet, wie gewaltsam U-Bahn-Rolltreppe per Fußtritt in Kraft gesetzt – in Wirklichkeit mehr wegen Effekt als Defekt. Und dann war da Aleks. Draußen war es düster und wüster und unwirtlich, doch Aleks, Aleks trug Schwarz auf der Nase. Eine Sonnenbrille ohne Sonne. Warum nur? Was soll’s, im Tagesrückblick ist eh alles für die Katz.

Protestprogramm: Spitzenspritzen für alle

Veröffentlicht in kolumnös mit Tags , , , , , , , , , , , , , am November 29, 2009 von blogorilla

In Österreich herrschte noch kürzlich der Pallawatsch und auch in Deutschland wurden die Hörsäle Tag & Nacht besetzt – der Ausnahmezustand hatte sich langsam aber sicher einstudiert. Weil aber Protest an der Uni eigentlich keinen interessiert, geht’s nun um einen Protest, der bestimmt gar nicht als Protest wahrgenommen wird.

Den sportlichen Protest. Hierbei haben sich die Protestanten gegen das menschliche Leistungsvermögen verschworen. Sie denken sich, wieso nicht EPO, wieso nicht Cera, was soll überhaupt das alles mit den Sperren und Verboten und wofür stehen überhaupt diese Abkürzungen? 150 Jahre, nachdem Charles Darwin und dessen Werk Über die Entstehung der Arten die Menschheit auf den Kopf stellte, ist der Gipfel der Optimierung noch lange nicht erreicht. Die Tuning-Freunde denken sich: wenn ich doch die Möglichkeit habe, schneller zu sein und breiter, besser und höher, wieso dann nicht Gold mitnehmen oder wenigstens Bronze. Also mittendrin, statt nur in der Nähe.

Schließlich ist jeder sein eigener Herr und deswegen sollte auch jeder seinen Infarkt selbst datieren dürfen und können und sollen, wenn er will. Genauso wie Husten, Grippe, Frühsyphilis, Spätsyphilis oder Bauchweh. Sie natürlich auch. Ich meine Sie, ja Sie. Gleiches Recht für alle. Das Ideal der Freiheit ist dort Programm, wo der Protest den Hinterausgang im Bordell vermutet, oder so ähnlich. Vergessen wir den letzten Satz.

Aber Eugène Delacroix hätte 1830 sicher anders entschieden. Also gegen das Verbot von Doping. Damals malte er Die Freiheit führt das Volk. Wenn die Freiheit das Volk führt, dann hängt doch jeder Geführte automatisch der Freiheit an. Unabhängig von der Revolution in Blau, Weiß und Rot sowie sämtlichen Brüdern und Gleichen: Die Freien sind doch wahrhaftig das Maß aller Dinge. Also lasst sie doch endlich machen und tun. Der Stürmer ohne Drang zum Tor erfährt dann vielleicht, was es heißt, von den Massen geliebt zu werden. Keuchen beim Treppensteigen ist von gestern. Radfahren auf der Tour durch Frankreich wird für alle (ziemlich) gleich, unüberwacht. Rennen auf der Bahn sowieso, Inselbonus ist Geschichte. Letztlich ist die Optimierung doch sowieso nicht aufzuhalten.

Ein Motto könnte lauten: Studieren für alle wie Spritzen für alle – strafgebührenfrei. Wie viel Stoff jeder in sich hineinpumpt, bleibt jedem Selbst überlassen. Ehrlich ist der, der nach seinem Erfolg die Mischung preisgibt. Natürlich gibt’s das Putschzeug in jedem Supermarkt für maximal drei Cent. Durch die optimierte Leistungsfähigkeit wird die ganze Gesellschaft so gut, dass sich auch das Studieren niemand mehr leisten muss. Auch im Österreich ohne Deutsche.

Wer kennt wen oder: Einklappen verboten!

Part III Schoethe ohne Giller

Veröffentlicht in themenwoche mit Tags , , , , , , , , , , am November 29, 2009 von kafchinski

Flashback. In der letzten Episode haben wir den Kleptomanen Goethe kennengelernt. Wir erinnern uns an das Gedicht, das er im Angesicht von Schillers Schädel geschrieben hat, weil jener nach unendlich qualvollen Tagen in seiner eigenen Pisse gestorben ist. Er keuchte und japste bei jedem Schritt und hatte ständig Schmerzen. Die Tuberkulose gab ihm den Rest. Soviel dazu.

Heute geht es weiter mit ein paar Jugendepisoden aus dem Leben des Altmeisters. Schiller ist ja schon tot. Wir springen also ein wenig zurück und ignorieren den Feuerkopf. Jubiläum hin oder her.

Goethe wurde in ein reiches Elternhaus hineingeboren und von seinem strengen Vater zu Hause unterrichtet. Auf dem Lehrplan standen italienisch, Latein und Literatur. Man muss sich den Vergleich einmal vor Augen führen. Der junge Goethe hat bereits mit sechs Jahren ein paar Sprachen rudimentär gesprochen und konnte über Shakespeare parlieren. Schade nur, dass sein Sohn als Alkoholiker endete und vor Goethe abnippelte.

Goethe war ein eitler Geck und hat seinem Vater das Leben schwer gemacht. Mit 16 begann er sein Studium der Juristerei und langweilte sich zu Tode. Die Finanzen kamen vom Vater und so konnte der junge Stürmer und Dränger in Ruhe seinen Aktivitäten nachgehen. Heute würde man sagen: Koks, Nutten und Champagner. Damals eben Wein, Bier und Weiberlein. Eines Tages schrieb der Vater in sein Tagebuch: Er gibt Unmengen aus und studiert ohne Bemühen. Das ist vertanes Geld. So kann man es auch ausdrücken. Der Erfolg sollte bekanntlich dem Schnösel recht geben.

Er war auch noch kriminell! Als Jüngling schrieb Goethe beispielsweise Schuldscheine für eine dubiose Bande und verliebte sich in eine Dame zweifelhafter Herkunft und noch zweifelhafterer Tätigkeit. Eine Nutte eben. Zum Glück war die Familie Goethe in Frankfurt wohlbekannt. So konnte man den Filius wieder rausboxen. Das übliche eben. Hat jemand was gesehen? Gibt es Beweise? Wir denken an die drei Affen und wissen Bescheid. Die kriminelle Karriere des Überfliegers war schnell beendet und der Freundeskreis gewechselt.

Goethe studierte eigentlich Jura, aber jede freie Minute schrieb er oder saß in fachfremden Vorlesungen. Die Anatomie der Blumen interessierte ihn mehr als der Kreidestaub der Juristerei. Der Vater war rasend vor Wut und drohte ihm, den Geldhahn abzudrehen. Es hat sich nicht viel geändert im Vergleich zu heute.

Ein schrecklicher Verdacht hat sich letztes Mal aufgedrängt. War der desinteressierte Goethe überhaupt promoviert? Oder hat er sich den Doktortitel im Ausland gekauft?

So schlimm war es nicht, aber dreist genug hat Goethe sich dennoch verhalten. Seine Dissertation wurde am Lehrstuhl eingereicht und stieß auf Widerstand. Zu kritisch. Zu wenig akademisch. Zu frei in der Gestaltung. Doktortitel verweigert. Was macht Goethe? Er interessiert sich nicht für die Meinung der Lehrenden, verlässt die Universität mit 21 und nennt sich fortan einfach Doktor juris. So einfach kann man es sich machen. Ist in jedem Fall billiger, als ein gefälschtes Zertifikat zu kaufen. Einfach gar kein Zertifikat und dreist lügen. Funktioniert immer wieder. Goethe als erster Hochstapler der modernen Welt. Erfolg baut meist auf Lügen auf. Der russische Oligarch antwortet dem Interviewer: „ich bin reich und habe viel gearbeitet – fragen sie mich nur nicht, wie ich meine erste Million verdient habe.“

Der Vater hat sich dennoch gefreut und wollte aus dem Sohn einen angesehenen Anwalt machen. Das Ende ist bekannt, der Anwalt wurd verbannt. Geschrieben wurde viel, besonders [mit] ohne Stil.

Genug davon. Nun wissen wir, wie sich der Sprössling entwickelte und woher der Titel wirklich kommt. Eine kriminelle Laufbahn, viele Studien, ein wenig Schreiben, arrogantes Auftreten und Wein in Strömen haben die richtige Konstellation ergeben. Merkur und Venus waren gütig.

Der Beginn eines ganz normalen Lebens.

To be continued…

War Goethe überhaupt in Italien? Hat Schiller den Wilhelm Tell geschrieben, ohne die Schweiz jemals gesehen zu haben? Hat Goethe seine Frau betrogen? War Schiller eifersüchtig auf Goethe? Hat Goethe ihm die Frau ausgespannt?

Ein neuer Fall für Sherlock Holmes: war Goethe ein Findelkind und stammte eigentlich vom Erlkönig ab?

Diese und andere Geschichten in der nächsten Episode von Schoethe und Giller –Stürmer ohne Drang zum Tor

Part II Schoethe klaut Giller

Veröffentlicht in themenwoche mit Tags , , , , , , , am November 28, 2009 von kafchinski

… Wo waren wir in der letzten Episode? Wir waren bei Goethes Libido stehen geblieben. Zur Erinnerung:  Das Röslein ist gebrochen. Die Liese hat zärtlich gerieben. Sherlock Holmes konnte nicht aufdecken, warum das Bett des Altmeisters repariert werden musste. Die Fakten sprechen für sich. Der alte Herr war jung um die Hüfte. Soweit so gut.

Heute wenden wir uns einem etwas morbideren Thema zu. Nach der Liebe folgt der Tod. So ähnlich geschieht es auch im Leben.

Was war da los zwischen Goethe und Schiller? Eine langjährige Freundschaft nach gepflegter Missachtung. Goethe ist älter und ignoriert zunächst den jungen Schiller. Der Feuerkopf brennt die Epauletten des Geheimrats ab. Derweil sonnt sich der alte Löwe unterm Baum und genießt die Show. Später befruchten sich beide und gebären literarische Diamanten. Der eine hat dem andern eine zweite Jugend verschafft. So behauptet er zumindest. Der andere hat ihm zuvor gewunschen, man möge den Alten doch bitte vergewaltigen, dann komme er sehr schnell aus seinen überirdischen Sphären in die höfische Sphäre zurück. Das muss man sich einmal vorstellen. Ein junger Literat wünscht einem alten Literaten eine Analmassage. Und dabei handelt es sich auch noch um unsere beiden größten Klassiker. Wenn das die Sektenäre Sektretäre im Kultusministerium wüssten. Vielleicht käme dann etwas anderes auf den Lehrplan. Kleist zum Beispiel, aber Moment … der hat sich zu früh erschossen. Kein ideales Vorbild. Kafka? Durchgeknallt! Heine? Auf Drogen! Was bleibt übrig? Egal. Wir bleiben bei den Weimarer Giganten. Nachdem Schiller dem Goethe eine Gefängnisnummer mit/ohne Seife prophezeien wollte, ging es erstaunlich gut weiter zwischen den Beiden. Wir überspringen diese kulturträchtige Phase und wechseln gleich in die Nachspielzeit.

Schiller war ein kranker Krüppel, der beim Treppensteigen keuchte und danach in die Hose pisste [war leider so – man kann da nichts schön reden, außer den Locken vielleicht]. Deshalb nimmt es nicht Wunder, dass der Jüngere fast 30 Jahre vor Goethe gestorben ist. Macht ja auch keinen Spaß, wenn man bei Wallenstein ständig in die Hose macht. Den Apfel bei Tell hätte er sicher auch nicht eigenhändig vom Kopf schießen können.

Was passiert danach? Ein spannender Krimi im 19. Jahrhundert. Schiller wird zunächst verscharrt, wie alle Sterblichen. Abfall – Kompost – Recycling – Humus. Der Kreislauf des Lebens. Leider wurde die Totenruhe 20 Jahre später gestört. Der Friedhof quoll aus allen Nähten. Die Gebeine trommelten sich gegenseitig auf den Schädel und klapperten im Takt des Weltgeschehens. Zu viele Leichen auf einem Platz – da helfen auch keine Würmer mehr.

Deshalb wurde Schiller wieder ausgegraben. Wenn es so einfach gewesen wäre. Es gab leider keinen schrebergartenartigen  Friedhof mit parzellierten Mietsgräbern. Da wurde wild alles durcheinander geschmissen. Wo war Schiller? Keiner wusste es. Nach drei höchst [höchscht] konspirativen Nächten auf dem Friedhof hatte man 20 Schädel in die engere Auswahl gezogen. Eigentlich hätte man jetzt nur noch warten müssen, bis der Gesuchte anfängt sich selbst zu verraten. Man lege alle Schädel nebeneinander und zünde eine Kerze an. Weihrauch lockert die Stimmung und Opium macht das Warten angenehm. Irgendwann wird der Kerl ja mal was sagen. Aber so kam es natürlich nicht. Der engste Vertraute von Schiller durfte wählen. Man nahm einfach den größten Schädel, weil Schiller ja das größte Genie war. Eine naheliegende Analogie. Anatomisch leider nicht korrekt. Bitte noch einmal in die Medizinervorlesung sitzen. So war das mit uomo universalis auch wieder nicht gemeint. Wer keine Ahnung hat – einfach mal Fresse halten [ein moderner Ausruf, ähnlich wie Heureka!]. Goethe hat sich dann den Schädel heimlich unter den Nagel gerissen und unter einer Glashaube aufbewahrt. Nur für ein Jahr, falls jemand einwenden möchte, dass sei pietätlos gewesen. Keiner wusste davon, nur der kleine Humboldt hat es seiner Frau verraten und dann … das kann man sich ja denken. Sprich immer mit deiner Frau, aber sag ihr nie die Wahrheit. Humboldt hat es vergeigt. Goethe schrieb ein Gedicht: „Bei Betrachtung von von Schillers Schädel“. Danach wurden die Überreste in die Fürstengruft gebracht. Ob Humboldts indiskrete Geschwätzigkeit den Ausschlag gegeben haben mag, muss allerdings bezweifelt werden.

Das war es dann also. Ein Jahr mit einem Totenkopf haben ausgereicht, um aus Goethe (k)einen Piraten zu machen. Vodoo-Priester waren derzeit nicht in Weimar ansässig. Vielleicht hätten diese Genossen ein wenig mehr aus dem Schädel herausgekriegt, als ein kurzes Gedicht mit fragwürdigem Titel.

Jeder lässt sich auf seine Weise inspirieren. Manche Schnüffeln an gebrauchter Unterwäsche, andere glotzen eben [gebrauchte] Knochen an.

To be continued…

War Goethe eigentlich Italiener? Konnte Schiller Hochdeutsch sprechen?

Ein neuer schrecklicher Verdacht:  Hat Goethe sich seinen akademischen Titel (Dr. jur.) in Russland gekauft?

Diese und andere Fragen in der nächsten Episode von Schoethe und Giller – Stürmer ohne Drang zum Tor

Part I Schoethe und Giller oder: Stürmer ohne Drang

Veröffentlicht in themenwoche mit Tags , , , , , , , , am November 27, 2009 von kafchinski

Der Stürmer drängt gern nach vorn und erobert luftige Höhen. Goethe war so ein kleiner Luftikus Lausbub, der Zeit seines Lebens nichts ausgelassen hat. Heute würde man ihn eher als liebevollen Macho bezeichnen – als Aufreißer mit Niveau.

Ein paar Anekdoten zur Erheiterung. Goethes Hausrechnung weist kurz nach Affärenbeginn mit einer jungen thüringischen Dame einen höheren Betrag für die Bettreparatur auf. Da hat es wohl einer zu wild getrieben. Der Verursacher des Schadens hat dazu selbst Stellung genommen [obwohl er Jurist war, gilt dies nicht als Plädoyer]: „… wiegend im lieblich knarrenden Bette“. Eine geniale Umschreibung für Rammeln bis der Arzt kommt oder Vollgas im Viereck. Trampolinspringen war wohl nicht die Ursache. Sherlock Holmes konnte die genaueren Umstände leider nicht überprüfen, weil er zu spät erfunden wurde. Wir vermuten allerdings schlimmes und schließen den gemeinen Holzwurm aus.

Es passt ja auch ins Bild. Wir fangen von hinten an. Der alte Herr wollte mit über 70 nochmal eine 19 Jährige heiraten. Obwohl er verheiratet war, hatte er zuvor mindestens eine Affäre. In Italien hat er exotisches Frischfleisch genossen [und dann die Rechnung geprellt], nachdem er sich eine Flasche Wein gekippt hat. Als Jugendlicher ritt er verkleidet aufs Land und wollte als englischer Landpfarrer bei einer … na was wohl … Pfarrerstochter punkten. Ein Schelm, wer hier Böses vermutet.

A propos: das bekannte Gedicht Heideröslein handelt auch nicht von einem Röslein. Die Blume wird gepflückt, der junge Mann gestochen. Mhhhmm. Wer Latein beherrscht, kann sich schnell mal den Begriff Defloration übersetzten. Hat auch irgendwas mit Blümchen zu tun. In jedem Fall musste das Röslein leiden.

Noch ein kleiner Reim zum Abschluss. „Der Leibesriese auf der Liebesreise sagte reib es Liese und sie rieb es Leise“. Dreimal dürfen sie raten, wer als Autor hinter diesen pornographischen Zeilen vermutet wird? Richtig – es war nicht Sigmund Freud.

To be continued soon ….

Es gibt weitere Verdächtigungen: Hat Goethe des Schillers Schädel geklaut? Waren die beiden schwul und wussten nichts davon? Gab es eine telepathische Verbindung zwischen beiden? Der Schädel als Medium zwischen Diesseits und Jenseits?

Ein schrecklicher Verdacht wurde kolportiert: Hatte Goethe einen Ghostwriter [vielleicht sogar Schiller]?

Diese und andere Themen in der nächsten Episode von „Schoethe und Giller – Stürmer ohne Drang zum Tor“

Wer kennt wen oder: Einklappen verboten!

Veröffentlicht in kolumnös mit Tags , , , , , , , , , , , , , , , , am November 27, 2009 von blogorilla

Kolumnös geht die Welt zugrunde. Hält sich denn mittlerweile nicht einmal mehr der gut situierte Frühstückstisch schadlos? Der Läufer hat seine besseren Tage ganz sicher hinter sich – die weiße Weste ist dahin. Rohe Gewalt, soweit die Sehschärfe reicht. Blutverschmiert schlägt sich bereits die Tageszeitung auf. Da steht auf der ersten Seite etwas von geflohenen Schwerstverbrechern im Rheinland. Drüber: Eilmeldung. Das gleiche Lied im Fernsehen. Das gleiche Bild im Radio: Brutalos auf freiem Fuß, Achtung: Entflohene sind gefährlich, Vorsicht: bissig! Was ist nur aus der Welt geworden? Wir sind gar schon soweit, dass Frauen Kinder gebären und just im selbigen Moment jegliche Verwandtschaft bestreiten. „War ich nicht, kenne ich nicht, hat die Elster gebracht!“

Von anonym ist hierbei die Rede und von Identität ungeklärt. Der Ethikrat entschied nun gegen die Babyklappe. Schließlich hätten Kinder das gute Recht, auch die heruntergekommenste Nulpenmutter spätestens im Alter von 36 ½ Jahren kennenzulernen. Und was ist mit dem Vater? Oma? Opa? Grasdackel? Seien Sie mir bitte nicht böse, aber einen Kommentar dazu, erspare ich mir. Bevor noch jemand auf die Idee kommt und mir einen Strick daraus dreht, oder behauptet: Dieser Spruch ist das unehelich verwahrloste Kind von…, ich habe es mit eigenen Augen gesehen!

Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste – und steht auch dazu – und deswegen rollt sich diese Kolumne augenblicklich von hinten auf. Ende der Gewalt, es lebe die Glückseligkeit: Sarah Palin, Sie wissen schon, die Ex-Gouverneurin und Ex-Miss aus den Vereinigten Staaten von Amerika, steht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit ihren Memoiren auf dem ersten Platz mehrerer Bestsellerlisten. Innerhalb einer Woche wurde ihr Buch über 460.000 Mal verkauft. Die Freude ist groß.

Einen Kommentar dürfen Sie zwar auch an dieser Stelle nicht erwarten aber eines ist sicher: Auch wenn 50 Millionen Menschen etwas Dummes tun, dumm bleibt es trotzdem. Oder wahlweise: Gesellschaftlich ist kaum etwas so erfolgreich wie Dummheit, verbunden mit guten Manieren. Wer hat’s erfunden? Voltaire war’s.

McGrün oder: Rettet die Wale!

Die Pussy ist der bessere Gangsta

Veröffentlicht in kolumnös mit Tags , , , , , , , , , am November 27, 2009 von kafchinski

Der Vegetarier sollte am besten Fleisch essen? Ein Junkie bekommt gratis neue Rationen in fertig verpackten Spritzen und kann nebenher sein Methadon auf dem florierenden Schwarzmarkt verticken? Feuer bekämpft man also am besten mit Feuer und gießt fleißig Petroleum in die Gaswolke des Methansumpfes.

Genug der Vorrede. Zur besseren Einordnung kommt nun der neueste Clou. Zunächst jedoch zu einer alten Anekdote. Der Dichterfürst und Jugendlover Goethe litt zu Beginn  seines Lebens an Höhenangst. In Straßbourg kurierte er sich selbst und stieg auf den höchsten Turm in der Stadt. Diese Prozedur soll nach einigen Wiederholungseinheiten einen wahren Höhenflieger aus ihm gemacht haben – frei von jeglicher Angst. Zumindest die Wörter flogen in die Höhe.

Die neueste Kampagne in Dänemark schließt quasi an diese Methode an. Wir treiben den Teufel mit dem Beelzebub aus. Irgendein sozialer Verein [den wir an dieser Stelle nicht nennen möchten] kam auf eine geniale Idee: Frauen werden gelegentlich von jungen Männern geschlagen – bedauerlich, aber unvermeidlich. Um diesen Zustand der Geschlechterhierarchie im Patriarchalsystem zu brechen, wurde eine Kampagne gestartet. Unter der Adresse www.hitthebitch.dk gibt es eine Therapie der besonderen Art. Im Ego-Shooter-Style kann man seiner Alten mal so richtig die Fresse polieren. Man sieht lediglich seine virtuelle Hand und das Gesicht der Frau. Jeder Schlag demoliert den ursprünglichen Grund des Zusammenseins – sie war ja vielleicht mal hübsch. Jetzt schimmert sie in allen Farben des Regenbogens und schreit bei jedem Schlag wie ein waidwundes Reh [Klopfer kann leider nicht helfen, weil Bambi gerade Urlaub hat]. Nach jedem Treffer steigt man in der Hierarchie des Machismus – von der Pussy bis zum Gangsta. Am Ende folgt leider der Hinweis, dass man ein 100 prozentiger Idiot sei. Schade. Wer hätte es gedacht.

Diese Methode soll also den gewalttätigen jungen Mann von der Sinnlosigkeit seiner Aggression überzeugen. Goethe war zwar ein gutes Vorbild, aber da ging es ja auch um Höhenangst. Der Junkie ist wohl das bessere Vergleichsmuster. Gib der Alten noch mal ein Brett und sie wird schon ruhig sein. Die Beleidigung am Ende ist nur ein nettes Beiwerk. Von der Pussy zum Gangsta und plötzlich zum Idioten. Wie bitte? Idiot hab ich nicht mehr gehört, weil ich vorher die nächste Runde gestartet hab. Diesmal ist sie blond und hat dicke Titten – sieht meiner Ex ziemlich ähnlich. Nächstes Mal brauch ich noch eine Rothaarige – die sind sowieso des Teufels und wurden früher auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Man(n) sind wir im Vergleich dazu human geworden.

Demnächst brauchen wir ein paar neue Kampagnen. Fangen wir mal einfach an und konzipieren ein tierisches Abenteuer: wir stecken die Katze in die Mikrowelle und drücken den 800 Watt Knopf. Die Taube wird mit der Armbrust vernagelt. Der Frosch wird ganz traditionell aufgeblasen – ist ja sowieso ein eitler Geck. Der Blindschleiche hacken wir den Schwanz ab, weil die Eidechse nicht mitspielen will. Dem Schmetterling werden die Flügel gekürzt und der Hund wird mit dem Stock geprügelt. Meister Lampe verliert seine Löffel, während wir den Ameisenhaufen im Pyromanenstyle mit Benzin übergießen.

Danach geht es ans Eingemachte. Kinder werden in den Keller gesperrt und erst einmal ausgehungert. Nachdem man seine Tochter geschwängert hat, kann man die Enkel zu Brennholz verarbeiten – Germany`s Next pedophile in Memoriam Joseph F. Die Großeltern kann man mit Arsen entsorgen oder samt Rollstuhl den Berg hinunter schubsen. Für Lebensversicherungen wird keine Garantie übernommen. Wer möchte, der kann seine Kinder auch einfrieren und für schwere Zeiten vorsorgen.

Nachdem man diese Disziplinen in den Onlineausgaben durchlaufen hat, kann man sich den Stempel „gesellschaftstauglich“ am JVA-Schalter abholen. Der Hinweis Idiot dürfte dabei überflüssig sein.

„Wir hacken uns die Schädeldecke ab und sehen aus wie Hannibal Lecter“

So ,oder so ähnlich, könnte man den Trendsport umschreiben. Hexenverbrennung war gestern. Heute gibt es hit the bitch als Therapiestunde. Leider kann man sich die Motive nicht aussuchen. Angela Merkel oder Alice Schwarzer hätten sicherlich gerne als Testimonial fungiert. Erst mal abwarten, bis die Gleichberechtigung ein Spiel für Frauen ausspuckt. Dann kann man Bruce Darnell oder Guido Westerwelle vermöbeln und bleibt 100 Prozent heterosexuell.

Für jede Phobie eine Therapie. Idiot bleibt Idiot. Da hilft auch kein Baseballschläger.