zur analyse / bezugstext: „das ist unser manifest“ (wolfgang borchert)

…das Schöne und Gute verliert seinen Platz, die Ausgewogenheit ist außer Kraft gesetzt: Atemlos formuliert, birgt die klassische Kunst als solche keine Lösungen mehr, kann über das Leid nicht hinwegsetzen und scheitert kläglich am – womöglich – eigenen Anspruch. Besonders in der Nacht offenbart sich nach Borchert die dunkelste Bedrohung. Die Nacht erscheint düster, voller Tod, bietet nicht das, was man als Unbetroffener suchen würde: Ruhe und Schlaf. Ein solcher Auftrag ist unerfüllbar, wird zusätzlich noch durch das Alleinsein bestraft – die Frau ist hierbei nicht ebenso im Bilde, der Mann trägt sein Los, sein eigenes, ganz persönliches. In dieser Lage kann keine harmonische Melodie und auch keine schöne Lyrik die Perspektive ändern und den Gefangenen entreißen. Die Sinnstiftung entfällt, die Gezeichneten sind losgelöst von jedweden Bezugspunkten, die, noch wenige Jahre früher, Halt boten und anerkannt wurden. Borchert rückt in dieser Darstellung, seinem Manifest als eine Art Selbstbeschreibung seiner eigenen Generation, sowohl Verantwortung als auch das Leid aus der Sicht des Opfers in den Mittelpunkt. Die Stellung ist variabel, bedient sowohl als auch, bezeichnet Schuld als auch Selbstschuld. Er ist direkt und unverblümt, aber beizeiten auch umschreibend in seinem Schildern…

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